TIPI

Wie Menschen im Beruf und Familienalltag Souveränität gewinnen, gegenüber belastenden Emotionen und diese definitiv auflösen.

 

Inhalt:

I. Was man mit TIPI erreichen kann

II. Ist TIPI etwas für Sie? III. Was geschieht in einer TIPI-Sitzung?

1. Die individuelle Tipi-Sitzung mit einem TIPI-Coach

2. Die „autonome“ Sitzung in eigener Regie

IV. Der wissenschaftliche Hintergrund: Forschung und Evidenz

1. Geschichte einer Entdeckung

2. Das körpereigene Gedächtnis

3. Pränatale, perinatale und postnatale Prägungen

V. Bibliographie und Web-links

VI. Anhang

1. Ablauf einer Sitzung

2. Luc Nicon: Sein Weg zur Erkenntnis

 

  I. Was man mit TIPI erreichen kann

 

Viele Menschen erleben beruflich oder familiär Situationen, in denen sie unwillkürlich immer wieder in einen emotionalen Zustand geraten, der sie selbst oder ihre Umgebung belastet.

 

Angenommen Sie

– fühlen sich oft unwohl

– leben mit Phobien oder unterschwelligen Ängsten

– erleiden Panikattacken

– sind häufig gereizt und können ihre Aggressionen nur mühsam kontrollieren,

– fühlen sich gehemmt oder regelrecht blockiert,

– erleben sich als antriebslos oder depressiv

– haben gar das Gefühl, nichts mehr richtig auf die Reihe zu bekommen …

und spüren in diesen Momenten wie Ihr Körper darauf unangenehm reagiert

Möglicherweise wissen Sie auch bei kühlem Verstand, dass diese Emotionen in keinem angemessenen Verhältnis zu ihrem Anlass stehen …  

dann hilft ihnen TIPI !

  TIPI  kommt aus dem  Französischen und heißt:

«Technique d´Identification sensorielle des Peurs Inconscientes»

Übersetzt: „Technik zur Identifizierung unbewusster Ängste auf Körperebene“

Tipi befähigt, bei einer unangenehmen Emotion (Angst, Ärger, Hemmung, usw.) auf einfache Art und Weise mit den dadurch ausgelösten körperlichen Empfindungen in Kontakt zu treten. Die belastenden Gefühle werden zu meist in einer Sitzung nachhaltig innerhalb einer Sitzung aufgelöst.Tipi ist eine einfacheTechnik, die jeder in kurzer Zeit für sich erlernen kann.  

II. Ist TIPI etwas für Sie?

Um herauszufinden, ob TIPI zur nachhaltigen Auflösung Ihres persönlichen Problems in Frage kommt, finden Sie hier eine ausgiebige Auflistung typischer Situationen, für die TIPI das Mittel der Wahl sein kann.

Wenn Sie zum Beispiel Angst haben,

… Angst vor Dunkelheit, vor Wasser, vor der Tiefe/Höhe (Leiter/Gebirge),vor Geschwindigkeit,

Flugangst, Angst im Auto/Autobahn, in der Straßenbahn, im Zug, oder im Schiff

… Angst den Aufzug oder eine Gondel zu benutzen, durch einen Tunnel zu fahren,

Platzangst, Angst vor Menschenmengen oder schon davor, Ihre Wohnung zu verlassen,

… Angst vor Hunden, Mäusen, Schlangen, Vögeln, Spinnen, Insekten,

… Angst, sich schmutzig zu machen oder sich anzustecken …

Wenn Sie sich bei einem Vorhaben blockiert, gehemmt, oder in bestimmten Situationen wie gelähmt fühlen, oder unfähig anders zu handeln:

Prüfungsangst

… Angst vor einer Rede vor Gruppen, mit Vorgesetzten oder anderen Personen

… bei Kontaktaufname mit fremden Menschen

… wenn das Telefon klingelt oder Sie anrufen müssen

… wenn Sie reklamieren oder sich beschweren möchten

… in Wettkampf–  oder Konkurrenzsituationen

Wenn Sie wegen Kleinigkeiten unwillkürlich gereizt oder wütend reagieren oder gar Gewalt anwenden… und es dann gleich danach schon bereuen,

… wenn vor Ihnen ein Auto zu langsam fährt

… wenn der Partner sich nicht stören lassen will oder dezidiert Nein sagt

… wenn ein Kind ein Glas auf den Boden fallen lässt

… oder eine schlechte Note nach Hause bringt  

Wenn Sie in gewissen Situationen unangemessen reagieren, weil…

… Sie Angst haben, nicht zu genügen, zu versagen oder blosgestellt zu werden

… Angst, sich nicht mehr kontrollieren zu können

… oder nach einem nicht bewältigten Problem endlos nachgrübeln.  

Die Liste ließe sich fortsetzen… Deshalb wenn Sie sich fragen, ob Ihr Anliegen „Tipi-geeignet“ ist, wenden Sie sich am besten an einen Tipi-Coach, der Sie gern beraten wird.

 Man beachte jedoch: Auch ich staune immer wieder, dass Tipi so rasche und nachhaltige Ergebnisse hervorbringt. Das heisst aber nicht, dass Tipi sich als Allheilmittel für alle psychische Leiden versteht. Wichtig zu wissen ist: Es wird nicht in der Vergangenheit geforscht. Es findet auch keine mitunter schmerzhafte Konfrontation mit früheren traumatischen Situationen statt. Tipi ist insofern keine Psychotherapie im engerem Sinne und ersetzt auch eine solche nicht, dort wo sie notwendig ist. . – Gleichwohl kann Tipi als punktuelle Intervention in vielen Therapieverläufen eingesetzt werden, um störende „Stolpersteine“ auf dem eingeschlagenen therapeutischen Weg auszuräumen.  

TIPI ist ein Re-Training unseres Gefühlsmanagements

in einer präzis beschreibbaren Angelegenheit

mit nachhaltigem Effekt für den Rest des Lebens.

 

III. Was geschieht in einer Tipi-Sitzung?

 

Tipi wird je nach Bedarf in zweierlei Anwendungsformen praktiziert:  entweder unter der Führung eines zertifizierten Coachs oder in eigener Regie.  

 

1. Die individuelle Tipi-Sitzung mit einem Tipi-Coach

In dieser Anwendungsform kommt der Klient[1] zur Sitzung in beruhigtem Zustand, d.h. ohne akut unter dem Einfluss einer Emotion zu stehen.  Als Voraussetzung und Ausgangspunkt für seine individuelle Tipi-Sitzung braucht er aber eine bestimmte, von ihm selbst real erlebte Situation, die er sich noch gut vorstellen kann und die repräsentativ ist für die emotionale Schwierigkeit, von der er sich befreien möchte. Zudem ist er in der Lage in dieser Situation den heftigsten Moment zu nennen. Diese Vorgabe ist sehr ernst zu nehmen, ohne dies kann eine Tipi-Sitzung nicht gelingen.

 

Auf der Basis dieser Voraussetzungen kann nun die Intervention beginnen:   Ausgehend von der kurzen inneren Vorstellung der vom ihm gewählten Situation, wird der Klient eingeladen, die dadurch aufgetretenen körperlichen Empfindungen, bewusst geschehen zu lassen, sie seinem Coach zu nennen und mit seiner Unterstützung diese sich von allein weiterentwicklen lassen bis zu ihrer Auflösung.  

 

Eine Tipi-Sitzung dauert insgesamt weniger als eine Stunde. Das Kernverfahren nur ein paar Minuten in sicherer Umgebung und bewirkt in den allermeisten Fällen die dauerhafte Auflösung des belastenden  Problems für den Rest des Lebens.  

 

Nur in bestimmten Fällen, braucht es manchmal eine oder höchstens zwei weitere Sitzungen, wenn, wie zum Beispiel  bei Flugangst oder Prüfungsangst die Angst mehrere Facetten hat, die jede einzel behandelt werden müssen.  

 

– Ab 13 Jahren, manchmal auch früher, sind auch Kinder durchaus in der Lage an einer altersgemäßen TIPI –Sitzung teilzunehmen und kommen dabei oft schneller ans Ziel als Erwachsene.  

 

2. Die „autonome“ Sitzung in eigener Regie  

 

Im Gegensatz zur begleiteten Sitzung mit Coach, wird  die autonome Anwendungsform von Tipi vom Probanden allein durchgeführt und zwar „à chaud“, zu deutsch „in „heißem Zustand“, was bedeutet, während die Emotion in ihm noch spürbar vorhanden ist.  

 

Diese sebständige Vorgehensweise erfolgt nach dem gleichen Prinzip wie bei der Sitzung mit Coach. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt: es genügt in der Regel nicht, eine erfolgreiche Sitzung mit Coach durchgeführt zu haben, um in der Lage zu sein, in ähnlicher Weise allein an sich selbst erfolgreich  zu arbeiten.  

 

Deshalb werden für ernsthaft Interessierte, die sich das notwendige know-how aneignen wollen, um ihren Umgang mit Emotionen und Stress besser in Griff zu bekommen, nach Wunsch zwei Ausbildungswege angeboten:

a) entweder eine Ausbildung für Einzelne in 2 bis 3 Sitzungen zu je einer Stunde

b) oder eine eintägige Ausbildung in einer Gruppe von max. 6 Personen  

 

Während dieser Ausbildung finden die Teilnehmer, ausgehend von einer emotionalen Schwierigkeit, zunächst heraus, wie sie Zugang zu ihrem Körpergedächtnis bekommen. Danach erarbeiten sie gemeinsam mit dem Ausbilder/der Ausbilderin die einzelnen Etappen der Abfolge einer Tipi-Sitzung, bis sie sich das nötige praktische und theoretische know-how angeeignet haben, um autonom eine vollständige Sitzung an sich durchzuführen.  

 

  IV. Der wissenschaftliche Hintergrund: Forschung  und Evidenz

Wichtig zu wissen: die im Folgenden beschriebenen Grundlagen von TIPI werden während der Durchführung des beschriebenen Verfahrens nicht erörtert und ihre Kenntnis oder Unkenntnis haben keinen Einfluss auf dessen Erfolg. Noch interessanter: nicht wenige der hier erörteten Erkenntnisse, insbesondere bezüglich der Bedeutung pränataler Prägungen, wurden in ihrer heutigen Deutlichkeit gewonnen nachdem die Wirksamkeit des Tipi-Verfahrens  bereits schon fest etabliert war.  

 

1. Geschichte einer Entdeckung

 

Nachdem Luc Nicon, der Begründer der TiPi-Methode, die Grundstruktur von Tipi entwickelt hatte,  testete er seine Vorgehensweise von 2003 bis 2006 in einer Studie an 278 Personen mit heftigen emotionalen Schwierigkeiten. Darunter befanden sich Phobien, Depressionen, Hemmungen, Reizbarkeit und starke Ängste. Bei 79 Prozent der Teilnehmer/innen trat die Heilung während der ersten Sitzung ein. Bei 9 Prozent war eine zweite Sitzung notwendig. Bei nur zwei Prozent der Probanden lösten sich die emotionellen Leiden nicht vollständig auf. Die restlichen 10% fielen aufgrund externer Umstände aus der Untersuchung heraus.

 

Seither arbeitet Nicon unentwegt weiter, um das kostbare Instrumentarium im Dialog mit den zahlreichen TIPI-Praktikern stets zu optimieren und dessen theoretische Grundlagen in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus medizinischer und psychologischer Forschung fortwährend zu erweitern und abzusichern. Davon zeugen seine Publikationen, welche jeweils vom Stand seiner eigenen Forschungen zeugen.Mehr dazu finden Sie im Anhang.

 

Eine ständig zunehmende Zahl von zur Zeit (2014) mehr als 500 zertifizierte Coaches, sind in den letzten Jahren in TIPI ausgebildet worden und führen heute in Frankreich, Deutschland, der Schweiz, in Belgien, Kanada und USA individuelle TIPI-Sitzungen durch. Ihre Erfahrungen bestätigen täglich die von Luc Nicon gewonnenen Erkenntnisse. Übrigens: Nicht wenige, durch ihre Publikationen ausgewiesene Fachexperten in Psychotherapie und Medizin –von denen ich einige persönlich kenne- haben nach anfänglicher Skepsis, schließlich die Ernsthaftigkeit des Ansatzes erkannt und an einer TIPI-Coaching-Ausbildung teilgenommen, um deren Techniken in ihr Repertoire aufzunehmen .  

 

2. Das körpereigene Gedächtnis  

 

Woher kommen die heftigen Reaktionen, die einleitend in dieser Darstellung beispielhaft aufgelistet wurden? Und warum sind sie so heftig, wenn es in der gegenwärtigen Realität ihres Vorkommens keine logischen Begründungen dafür gibt?  

 

Wie die Befunde der Neurowissenschaften in den zurückliegenden Jahrzehnten belegt haben, sind längst nicht alle unserer tiefen Ängste bewusst und noch viel weniger der Anlass ihres Ursprungs. Sie stammen zum einem Großteil aus unserer frühen Kindheit, aus den Umständen unseres Geburtsvorgangs, und insbesondere aus schmerzhaften bis lebensbedrohlich „empfundenen“ vorgeburtlichen Erlebnisse im Mutterleib.  

 

Diese Ängste sind nicht im Großhirn des Homo sapiens, auch nicht im Mittelhirn, das wir mit den Säugetieren gemeinsam haben, sondern im Stammhirn, (engl.:reptilian brain/franz.:cerveau reptilien) gespeichert. Man weiß, dass das Stammhirn schon ganz am Anfang des embryonalen Stadiums beginnt sich zu entwickeln und sehr früh sowohl angenehme als schmerzhafte Empfindungen registriert, und so zum Sitz unseres körpereigenen Gedächtnis wird und bleibt.  

 

Obwohl das Stammhirn ein hoch differenziertes Organ ist, ist es jedoch der verbalen Sprache eines Therapeuten oder eines Selbstgesprächs des Klienten so wenig wie dem rationalen Denken des Betroffenen zugänglich. Will man nun Kontakt  zum Körpergedächtnis aufnehmen um seine Reaktionen zu beeinflussen, kann das nur non-verbal geschehen, also an der Ratio vorbei: über den Körper. Genau das tut Tipi: unmittelbar mit Präzision zum Ursprung unserer rein vernunftsmäßig unbegründeten Ängste zu kommen und sie damit zu „entwurzeln“, wie Nicon sagt.

 

Dementsprechend ließe sich der evidente Erfolg des Tipi-Verfahrens wie folgt plausibel erklären: Durch das sehr genau durchgeführte Tipi-Verfahren macht das Stammhirn offensichtlich die Erfahrung, die vermeintlich bis dato so bedrohlich empfundene Situation diesmal, während der Tipi-Sitzung, unbeschadet bis zur inneren Beruhigung durchlebt zu haben. Dieses positive, ganz neue Erleben verankert sich, ohne Worte und Nachgrübeln, genau so tief im Stammhirn wie die urprünglich negative Erfahrung es getan hatte und löst deren Wirkung definitiv auf.

 

3. Pränatale, perinatale und postnatale Prägungen 

 

In den hunderten von Protokollen über die von ihm und seinen Kollegen durchgeführten Tipi-Sitzungen  hat Luc Nicon eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Ohne sich dessen bewusst zu sein, beschreiben Klienten während der Tipi-Sitzungen körperliche Empfindungen, die sich den kritischen Situationen, die ein Kind in der Schwangerschaftszeit oder während des Geburtsvorgangs durchmachen kann. Dazu zählen zum Beispiel das schmerzhafte Erleben des Absterbens eines gezeugten Zwillingsgeschwister, oder die möglichen Bewegungs-, Atmungs- oder Durchblutungs- beeinträchtigungen durch Verwicklungen in der Nabelschnur bis zu vorübergehenden Bewusstlosigkeiten, um nur einige Beispiele zu nennen.

 

Es sind mitunter Ereignisse, die sich bei näherem Betrachten als wahrhaft traumatisierende Konfrontation mit dem physiologischen Tod erweisen. Derartige Konfrontationen und damit einhergehende physiologische und seelische Prozesse im Mutterleib wurden von zahlreichen Forschern schhon länger wissenschaftlich identifiziert und untersucht. Ihre Forschungsergebnisse haben erstaunlicherweise bisher sowohl in der Fachwelt als in einer breiteren Öffenlichkeit das ihnen gebührende Echo leider noch nicht gefunden.

 

VI. Bibliographie und Web-links  

 

– Nicon, Luc: Tipi: Technique d’Identification sensorielle des Peurs Inconscientes. Ed.   Emotion Forte. Montpellier. 2007

– ders.: Befreit von alten Mustern. Übersetzt von Monika Wilke:  Jungfermann.  Paderborn. 2011

– ders.: Revivre sensoriellement. Ed. Emotion Forte. Montpellier. 2013. Die deutsche Übersetzung ist in Bearbeitung.  

 

Wenn Sie mehr erfahren wollen, öffnen Sie die Web-Seiten des deutschen bzw. französischen Tipi-Netzwerks:

http://www.tipi-coaching.com   (D)       http://www.tipi.fr    (F)  

oder lesen Sie über google.com, google.de, oder google.fr  die  interessanten Beiträge von praktizierenden Tipi-Coachs oder Erfahrungsberichte von Klienten finden.

 

Angaben über einschlägige Forschungsliteratur finden Sie in den bibliografischen Angaben in den Werken von Luc Nicon.

 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und auch viel Spaß in der Auseinandersetzung mit TIPI in Theorie und Praxis. und stehe Ihnen dabei gerne zur Verfügung, auch telefonisch

– für Erklärungen

– für eine individuelle Tipi-Sitzung

– für die Ausbildung zur qualifizierten Durchführung von Tipi-Sitzungen in eigener Regie

– oder bei der Suche nach einer regelrechten Ausbildung zum TIPI-Coach.  

Im Übrigen:  Sollte bei der ersten individuelle Sitzung der Erfolg ausbleiben, ist eine zweite Sitzung zum selben Zweck kostenlos (eventuell auch eine dritte, wenn es gewünscht wird).

 

Mit herzlichen Grüßen

 Pierre Roth, Dipl. Theol.

 

– Systemischer Therapeut und Berater SG

– Hypnotherapeut n. M. Erickson

– T.I.P.I.-Coach  

Schickhardtstr. 10D 72072 Tübingen Tel. +7071 40 72 84

Email: systemisch@gmail.com Website:

http://www.systemisch-tuebingen.de      

 

Es ist der alte, ungleiche Kampf zwischen Kritik und Schöpfung,  Wissenschaft und Kunst, wobei jene immer recht hat, ohne daß jemand gedient wäre … indes die Künstler zunächst sorglos bei manchem  äußerlichen Irrtum verharrend, Tröster und Freudebringer für viele gewesen sind.“ 

(H. Hesse, Unterm Rad,Suhrkamp,S. 411)

 ANHANG

I. Ablauf einer Sitzung:  

 

A. Einleitung:  

 

1.- Der Klient schildert kurz  eine real erlebte Situation, die er für die Sitzung als repräsentativ für sein Problem ausgewählt hat.

2.- Er ist sich im Klaren darüber in welchem Moment während dieser Situation seine Emotion am stärksten war.  

Beide Punkte muss er vor der Sitzung für sich geklärt haben: deshalb ist  es unabdinglich dies im Vorfeld mit dem Coach telefonisch abzusichern.  

B. Durchführung:

1. – Der Klient schließt die Augen

2. – Er erlebt die Situation als würde sie jetzt stattfinden.  (10 Sekunden)

3. – Er richtet seine Aufmerksamkeit auf die Reaktionen, die in seinem Körper stattfinden und benennt sie. 

(2 bis 3 Empfindungen genügen)

4. – Danach lässt er die Ausgangssituation und die Emotion vollkommen los und beobachtet dafür nur noch seine körperliche Reaktionen.

5. – Er lässt diese sich auf natürliche Art und Weise weiterentwickeln und berichtet über deren Veränderungen ; ohne sie auf irgendeine Weise zu beeinflussen.

Count down: 3 Minuten.

7.   Bis sich alles aufgelöst hat.  

 

Während der Prozedur nennt der Coach dem Klienten die verschiedenen Etappen und hilft ihm dadurch sie genau der Reihe nach durchzuführen unter Einhaltung der Zeitvorgaben.

–  Unmittelbar nach Auflösung wird zur Ergeniskontrolle ein zweiter Durchgang am selben Beispiel durchgeführt.   * weder durch  geballte Anstrengung, noch durch Entspannunstechnik oder indem er etwas Bestimmtes erwartet

 

– Nach ein paar Tagen findet ein Telefongespräch zur weiteren Überprüfung des Ergebnisses statt.

– Keine Angst vor mislungenen Versuchen!

– Wenn nach den 3 Minuten (s.Pkt 5 ) die Auflösung der Körperempfindungen nicht stattgefunden hat, stoppt der Coach die Sequenz, um mit dem Klienten festzustellen, wo es Schwierigkeiten gab, bespricht sie mit ihm, zeigt ihm ggf. Korrekturmöglichkeiten auf und macht in der selben Sitzung nach Wunsch mit ihm einen oder mehrere weitere Versuche.

 

„Le client a droit à l´erreur“.   (dixit Luc Nicon).

Im Klartext: Der Klient geht nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ vor.

II. BIOGRAFISCHES zu LUC NICON

von Monika Willke[2]

  Luc Nicon, 1954 in Montpellier geboren, schlug nach seinem Wirtschaftsabitur die Management Richtung ein und begann als Projektentwickler zu arbeiten. In seiner Freizeit schrieb er fürs Theater, inszenierte Stücke, leitete Radiosendungen und interessierte sich mehr und mehr für das Verhalten der Menschen. Dies führte ihn dazu, sich intensiv mit den Erkenntnissen der Verhaltensforschung und Kommunikationspsychologie auseinanderzusetzen und sich autodidaktisch unterschiedliche Kommunikations-Methoden anzueignen. Er beriet viele Jahre lang Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen: Politiker, Manager Leistungssportler…  

 

In dieser Zeit machte er beinahe zufällig eine Entdeckung, die ihn zu seiner Herangehensweise mit Tipi führte. So beriet er nun einen Mann, der wegen einer besonders hartnäckigen Lernblockade fast verzweifelte. Am Ende seines Lateins bat Nicon seinen Klienten, einfach mal die Augen zu schließen und genau in die Körperempfindungen seines Stresses hineinzuspüren, die Empfindungen geschehen zu lassen und zu schauen, was geschieht. Und während er gedanklich noch nach einem Wundermittel suchte für sein Gegenüber, stellte er fest, wie sich die Züge seines Klienten mehr und mehr nun glätteten. Nur wenige Minuten waren vergangen als der Mann die Augen öffnete und meinte ruhig, seine Blockade sei offensichtlich verschwunden.  

 

Darauf begann Luc Nicon begann  mit diesen Körperempfindungen systematisch zu arbeiten,  indem er sich von seinen Klienten diese Wahrnehmungen im Detail beschreiben ließ. Mit der Zeit fiel ihm auf, wie sehr sich die Beschreibungen völlig verschiedener Menschen mit gänzlich unterschiedlichen emotionalen Problemen doch ähnelten und wie sehr ihre beinahe stereotype Beschreibung bestimmter Abläufe an typische Vorgänge vor und während der Geburt erinnerte.

 

Er begann die Fachliteratur aus diesem Bereich zu studieren und war überrascht von der enormen Kongruenz dessen, was er an wissenschaftlichen Erkenntnissen über das Geschehen in der pränatalen Phase und während der Geburt vorfand, mit den Schilderungen der von ihm begleiteten Personen. Er suchte das Fachgespräch mit praktizierenden Gynäkologen, die bereit waren, ihn an ihren Kenntnissen teilhaben zu lassen und auch die Berichte seiner Klienten zu bestätigen.  

 

Das Buch„Befreit von alten Mustern“ (s.u.) ist die Zusammenfassung einer wissenschaftlichen Studie, die Luc Nicon durchführte, um selbst besser zu verstehen, was er da entdeckt hatte, und um die Erkenntnisse zu objektivieren. Die Studie lief vier Jahre lang bis 2007 und umfasste 278 Probanden, von denen 98% von ihrer emotionalen Schwierigkeit befreit wurden. Um der Sache einen rechtlichen Rahmen zu geben, gründete er einen Verband, den er „Tipi“ taufte.  

 

Seit 2010 widmet Luc Nicon seine gesamte Zeit der Entwicklung und Verbreitung der Herangehensweise von Tipi, auch auf internationaler Ebene. Zurzeit werden schätzungsweise mehrere Tausend Sitzungen pro Monat auf Französisch von eigens dafür ausgebildeten Coaches durchgeführt: in Frankreich und anderen Ländern.  Rund 350 Tipi-Coachs hatten bis 2011 die achttägige Grundausbildung auf Französisch absolviert. Inzwischen haben auch in den USA und in Deutschland zahhlreiche  Kollegen ihre Tipi-Ausbildung in Englisch und Deutsch durchgeführt.

 

Mit Tipi verbreiten sie eine Anleitung zur Selbsthilfe, mit der jede Frau und jeder Mann die Fähigkeit erlernen kann, emotionale Konflikte selbst zu bewältigen und die Ursache dafür ein für alle Mal auszulöschen.

 

[1]  Zur Vereinfachung für Schreiber und Leser gilt die männliche Form des Wortes für beide Geschlechter   Ich bitte meine Leserinnen ausdrücklich um Verständnis.

[2]In: Luc Nicon:Befreit von alten Mustern, Jungermann Verlag, 2011. S. 16. – Hier in gekürzter Fassung