PIERRE ROTH – SYSTEMISCHE THERAPIE

FAQ – Häufig gestellte Fragen

 

Gibt es unabhängige Forschungsergebnisse, die beweisen, welche Therapiemethode die beste ist?

 

Es gibt unzählige wissenschaftliche Studien zum Thema „Wirksamkeit von Psychotherapie“, aber keine eindeutige Antwort auf diese Frage. Dafür aber verblüffende Ergebnisse:

1. Statistisch gesehen sind alle gängigen Psychotherapieverfahren gleich wirksam

2. Es gibt keinen Faktor, der für sich allein ausschlaggebend wäre für die Überlegenheit einer therapeutischen Schule…

  • weder die angewandte Methode
  • weder die Störungs- oder Behandlungstheorie, die der Therapie zu Grunde liegt
  • weder der Ausbildungsgrad des Therapeuten oder seine Titel
  • weder seine Berufserfahrung
  • noch die Dauer der Therapie.

Sind also die oben genannten Faktoren belanglos?

Sicherlich nicht, aber die entscheidenden Faktoren für das Gelingen einer Therapie liegen in der Person des Therapeuten und des Klienten und der Beziehung, die zwischen ihnen zu Stande kommt. 

Und wie kann ich wissen, dass meine Beziehung zu meiner Therapeutin oder meinem Therapeut für mich das Richtige ist?

Im Voraus können Sie das nicht wissen. Aber nach kurzer Zeit, können Ihnen folgende Fragen dazu als Kriterien dienen:

  • Habe ich Vertrauen zu meinem Therapeuten und das Gefühl, dass er mich versteht und grundsätzlich bejaht?
  • Kann ich ihm alles sagen ohne zu befürchten, sein bedingungsloses Wohlwollen zu verlieren oder ihn selbst zu verwirren?
  • Erscheinen mir seine Erklärungen des Problems plausibel und glaube ich, dass er mir helfen kann und will?
  • Kann ich den von ihm vorgeschlagenen Wegen zur Überwindung meines Problems zustimmen?
  • Sind sie kompatibel mit meiner Kultur, meinem Welt- und Menschenbild, wenn sie mich auch herausfordern, mich mit diesen kritisch auseinanderzusetzen?
  • Gewährt er mir genug Freiraum und Respekt, meine eigenen Ideen und Vorschläge in die Therapie einzubringen, so dass eine Atmosphäre von echter Zusammenarbeit zweier Erwachsenen entstehen kann?

 

Welche Vorteile hat die Zugehörigkeit eines Therapeuten zu einer bestimmten therapeutischen Schule?

Sie gibt dem Klienten eine gewisse Gewähr, dass der Therapeut überhaupt eine Methode hat und sich intensiv einige Jahre mit den theoretischen Grundlagen dieser Methode auseinandergesetzt hat.

Es ist außerdem davon auszugehen, dass alle ernsthaften Therapieschulen allgemein gültige Grundsätze und Techniken lehren und üben lassen, ohne die eine fruchtbare Therapiearbeit nicht entstehen kann. Dazu gehören beispielsweise: allgemeine Regeln der Kommunikation, die Kunst des Zuhörens und des Fragens, die Übereinstimmung zwischen den Äußerungen des Therapeuten und seinen Gefühlen, die Zurückstellung seiner privaten Befindlichkeit, und vieles mehr.

Er hat durch die obligatorischen Selbsterfahrungselemente in seiner Ausbildung Gelegenheit gehabt, Distanz zu sich selbst und seinen eigenen Problemen zu gewinnen, um diese nicht auf seinen Umgang mit Klienten zu übertragen.

 

Durch die ebenfalls für seine Zertifizierung obligatorischen Supervisionsstunden musste er sich längere Zeit der kontinuierlichen und kritischen Beobachtung seines Supervisors stellen und notwendige Veränderungen in seinem Verhalten und seiner Person in Angriff nehmen.

Sollte ein Therapeut über seine therapeutische Grundausbildung hinaus, nicht auch Sichtweisen anderer Richtungen in seine Arbeit integrieren?

Auf jeden Fall. – Ein Therapeut sollte nicht nur mehrere andere Therapieverfahren ausreichend kennen, sondern auch die Möglichkeiten wahrnehmen, die sie für jeden Einzelnen seiner Patienten darstellen. Dafür muss er sich nicht in allen Therapieansätzen zertifizieren lassen, sich aber ernsthaft mit einigen davon auseinandergesetzt haben durch Weiterbildungen und Lektüren und mit der notwendigen Achtsamkeit Erfahrungen sammeln.

Gibt es über die Wirksamkeit dieses Ansatzes wissenschaftliche Studien?

Es setzt sich zurzeit in der Forschung immer mehr die Erkenntnis durch, dass gute Therapiearbeit bewährte Elemente aus verschiedenen Methoden nützt. Dieses Konzept, „Integrative Therapie“ genannt, erlaubt es dem Therapeuten, flexibel der Einmaligkeit eines jeden Menschen Rechnung zu tragen. Es hilft ihm auch auf jeden ebenso individuell verschiedenen Therapieprozess adäquat zu reagieren. So kann er stets seine methodischen Bemühungen, in Absprache mit dem Klienten, an dessen Bedürfnisse schonend und wirkungsvoll anpassen.

Es ist in der Therapie wie in der Physik mit den zwei Lichttheorien: es gibt Phänomene, die sich nur mit der Korpuskeltheorie erklären lassen und andere, die nur die Wellentheorie erklärt. Aus beiden lassen sich effiziente Anwendungen ableiten.

Trotzdem bleibt zu bedenken, wie oben schon dargestellt, dass in der Psychotherapie das Verfahren allein bei weitem nicht ausschlaggebend ist für den Erfolg. Es gibt also keinerlei Garantie, dass der Therapeut mit den meisten zusätzlichen Ausbildungen für den Klienten die bessere Wahl darstellt oder dieser eine Art Psycho-Tourismus betreiben muss, um den besten Therapeuten ausfindig zu machen. Neben der Beziehung steht die eigene Arbeit des Klienten an sich selbst und seine Bereitschaft sich auf Veränderungen einzulassen wohl an zweiter Stelle.

Muss ein Therapeut all seine eigenen psychischen Probleme verarbeitet haben?

Nein, aber er muss sie kennen, daran arbeiten und sie bis zu einem gewissen Maße doch gelöst haben. Der Maßstab dafür ist, dass wenn er bei einem Klienten einem Problem begegnet, das er auch bei sich kennt, er klar unterscheiden kann: ich bin ich und mein Klient ist ein anderer, so dass weder mein Problem noch meine Lösung identisch sein kann mit der Situation meines Klienten. Erreicht ein Therapeut diese Stufe seelischer Reifung nicht, gerät er in die Gefahr die Klienten unbewusst zu benützen, um sich seine eigenen Lösungswege als die einzig richtigen zu bestätigen.